Ein einmaliges Markengefühl.

Interview mit Sandro Walder, STUIQ AG

Was überraschte Sie persönlich am meisten, als im Frühling 2020 der Lockdown kam?

Wie schnell und wie stark eine Pandemie unser Leben – beruflich wie privat – verändern kann. Wir waren alle komplett im Flow. Und plötzlich: Stopp! Von einem Tag auf den anderen. Es gab auf einmal ganz andere Prioritäten und Werte im Leben, die wirklich zählten. Wir wurden durch die Pandemie plötzlich «fremdbestimmt» und hatten das Zepter nicht mehr in der Hand. Ich bin auch stolz auf unser Team, das sofort auf «Remote Work» umstellte und gerade in dieser Zeit eine hervorragende Teamleistung erbrachte.

Gab es dennoch auch Unsicherheiten innerhalb des Teams? Wie gingen Sie damit um?

Für mich galt in dieser Zeit umso mehr: Zusammen! Denn es geht nur als Team. Gerade in turbulenten Phasen wie diesen ist es entscheidend, dass ein Unternehmen zusammenhält und Stärke beweist. Dies gelingt nur mit einer gesunden, gelebten Unternehmenskultur. Die Pandemie zeigte, wie wichtig die interne Kommunikation und der laufende Austausch mit den Mitarbeitenden sind. Wenn auch in dieser Zeit leider nur digital und nicht physisch.

Hat sich das Thema Mitarbeiterführung generell verändert während und nach Corona?

Ich denke schon. Tendenziell basiert die Mitarbeiterführung viel mehr auf Vertrauen und weniger auf Kontrolle. Das ist auch richtig und wichtig. Jeder Mitarbeitende muss in Zukunft viel mehr Eigenverantwortung übernehmen und direkter und schneller handeln können. Das kann man aber nicht von heute auf morgen vorschreiben, sondern muss man entwickeln und als Führungsperson auch zulassen.

«Einen Arbeitsplatz habe ich auch zuhause. Einen Ort, der den Austausch und das Zwischenmenschliche fördert, aber nicht.»

Welche Rolle spielt die Digitalisierung dabei?

Eine ganz wesentliche. Unser Leben spielt sich bereits heute zu einem grossen Teil auf digitalen Plattformen ab. Vor allem und auch gerade bei uns in der Kreativwirtschaft. Und das wird weiter zunehmen. Alle unsere Mitarbeitenden sind schon lange volldigital unterwegs, nutzen digitale Kommunikations- und Arbeitstools. Und jeder arbeitet da, wo er am besten arbeiten kann – alleine oder im Team, ungestört und konzentriert oder in inspirierendem, kreativitätsförderndem Umfeld.

Was ist das Büro von morgen Ihrer Ansicht nach für ein Ort?

Es ist ein Mix aus guter Architektur, spontaner Kommunikation und individueller Eventbühne. Nicht einfach nur ein Ort zum Arbeiten, sondern zum Sich-inspirieren-Lassen, Sich-Treffen, Zusammensein und Feiern. Einen Arbeitsplatz habe ich auch zuhause. Einen Ort, der den Austausch und das Zwischenmenschliche fördert, aber nicht. Und genau das ist essenziell für die Kreativität, für die Arbeit. Darum wird es auch immer wichtiger, dass die Räume laufend neu bespielt werden und dass sie eine polyvalente, spontane Nutzung und Umstellung zulassen. Diesem Aspekt und dem «New Work» muss in der Planung und in der Innenarchitektur von Anfang an ein hoher Stellenwert beigemessen werden. Hinzu kommt, dass das Büro einen sehr starken Einfluss darauf hat, wie ein Unternehmen wahrgenommen wird. Ich bin darum überzeugt: In Zukunft muss auch das Büro «Kommunikation machen»!

Was meinen Sie genau damit?

Ähnlich wie ein Produkt hat jedes Unternehmen eine Marke, mit der aktuelle und potenzielle Mitarbeitende etwas verbinden. Ein solcher Employer Brand ist der Kern einer starken und lebendigen Firmenkultur. Er entsteht nicht durch einen Top-down-Prozess, sondern durch die täglichen Erlebnisse und Erfahrungen der Mitarbeitenden. Immer im Austausch miteinander. An dieser Marke muss man kontinuierlich arbeiten – nach innen und aussen. Darum ist das Büro als verbindende «Home-Base» und Kommunikationskanal so wichtig.

Gerade auch der Umzug an einen neuen Firmenstandort oder eine neue Büroplanung bieten diesbezüglich einmalige Chancen für Unternehmen. Ein «Neudenken» entsteht. Es kommt zu einer sicht- und spürbaren Veränderung. Und diese Chance muss mit guter, emotionaler Kommunikation begleitet werden. Vielfach wird aber die Wichtigkeit eines solchen Projektes für die Mitarbeitenden unterschätzt. Man kommuniziert erst, wenn alles bereits entschieden ist, und stellt die Mitarbeitenden vor vollendete Tatsachen. Erzählen wir doch die Story schon von Anfang an und nehmen alle mit auf die Reise. So entstehen Identifikation und Freude für den neuen Standort.

Wie gelingt das?

Nur wer sich wohlfühlt, stolz auf das ist, was er tut und sich damit identifizieren kann, der vollbringt Höchstleistungen und motiviert andere. So formt man ein schlagkräftiges Team, das langfristig das Unternehmen prägt und den Erfolg sichert. Glückliche Menschen reden gerne über ihre Arbeit und tragen das, was innerhalb des Unternehmens gelebt wird, in Geschichten und Anekdoten nach aussen. Du kannst Mitarbeitende nicht in die Rolle als Markenbotschafter zwingen. Allerdings kannst du für eine Employee-Experience sorgen, von der sie gerne berichten: ein einmaliges Markengefühl. Das verstanden und gelebt werden muss. Mit Wissen, Commitment und Fähigkeit.

Ihre Branche ist permanent im Wandel. Welche Entwicklungen sind für Sie besonders prägend?

Wir müssen extrem flexibel und agil sein. In der Infrastruktur, aber vor allem auch im Denken. Sowohl als Team wie auch jeder in seiner «Position». Das muss stark gefördert werden. Mit ganz konkreten Massnahmen, damit wir für die Zukunft bereit sind. Und Verantwortung übernehmen. Heute ist es die Pandemie, morgen wird es etwas anderes sein. Eines ist klar: Die Welt ist im konstanten Wandel. Und ganz ehrlich: Das Ungewisse, aber eben auch die Gewissheit, dass sich in den nächsten Jahren vieles ändern wird, davor habe ich Respekt. Zugleich sehe ich die Veränderung als Chance für uns alle.

Entwickeln wir Ihr einmaliges Markengefühl zusammen!
Von mir aus sofort.

«Das Büro von morgen ist ein Mix aus Architektur, Kommunikation und Eventbühne.»

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