Zurück ins Leben. Zurück ins Office?

Interview mit Sandra von Petersdorff, Ernst, von Petersdorff + Partner AG

Inwiefern hat sich die Bedeutung des Büros im vergangenen Jahr verändert?

Der Neustart «Post-Corona» bringt für das Büro einen Rollenwechsel mit sich. In einem hybriden Arbeitsmodell aus remote und Präsenz wird es vor allem zu einem Bezugsort, der Menschen zusammenbringt. Das erfordert neue Ansätze bei der Konzeption, Gestaltung und natürlich auch bei der Nutzung der Flächen. Die Anforderungen an den persönlichen Arbeitsplatz ändern sich.

«Es wird nie mehr so sein, wie zuvor» – gilt das also auch für unser Büro?

Das klingt jetzt etwas dramatisch. Wichtig ist es, aus den Erfahrungen der vergangenen Monate zu lernen und Arbeitsumgebungen so zu gestalten, dass sie im Hinblick auf die Arbeitswelt von morgen einen Wettbewerbsvorteil bieten. Ich bin der Überzeugung, dass sich die Nutzung der Büroräume verändern wird. 

Und wie konkret?

Homeoffice als Option wird bleiben. Und Begegnungsorte für vielfältige Teamarbeit oder Möglichkeiten für Video-Conferencing werden in den Fokus gesetzt. Zugleich gehe ich davon aus, dass der Bedarf an festen Arbeitsplätzen zurückgeht und sich der Wunsch nach Abstand und Abschirmung am Arbeitsplatz verstärkt. Klar ist: Die zunehmende Digitalisierung schenkt den Mitarbeitenden mehr Flexibilität bei der Wahl ihres Arbeitsortes. Sie können problemlos manche Arbeiten von zuhause aus, unterwegs oder im Café erledigen. Vor diesem Hintergrund wächst die Bedeutung des Büros als zentraler Ort für den Austausch, für Projekt- und Teamarbeit, aber auch für das «Leben» der Corporate Culture und die Bindung der Mitarbeitenden. Es muss ein Ort sein, an dem man gerne zusammenkommt, sich trifft, gemeinsam arbeitet und auch einfach Spass hat.

Die neue Normalität spielt sich nicht isoliert in den eigenen vier Wänden ab. Sondern zusammen, im Büro als gemeinsamem «We-Place».

Endlich zurück ins Büro oder doch lieber im Homeoffice bleiben – welche Haltung nehmen Sie aktuell bei Ihren Kunden wahr?

Viele schätzen die Vorteile vom Homeoffice, wollen aber zurück. Das Miteinander und der gemeinsame Spirit, der in dieser besonderen Zeit verloren gegangen ist, spielen dabei eine zentrale Rolle. Ich sehe noch weitere wichtige Gründe. Denn indem wir zur Arbeit «gehen», erkennen wir an, dass das Leben zurück ist. Und dass es Zeit ist, Entscheidungen zu treffen und Projekte voranzutreiben. Das ist meiner Ansicht nach ganz wichtig. Zudem kann das permanente Arbeiten im Homeoffice durchaus belastend sein. Es fehlen die sozialen Kontakte – hinzu kommen oft ein nicht ergonomischer Arbeitsplatz und die fehlende technische Infrastruktur, die im Büro ganz selbstverständlich ist. 

Was bedeutet diese Entwicklung nun für Sie als Büroarchitekten? Wie planen und gestalten Sie die Büros von morgen?

Unternehmen müssen eine vielfältige Arbeitsplatzstrategie entwickeln, welche die unterschiedlichen Bedürfnisse der Mitarbeitenden berücksichtigt und ihnen je nach Tätigkeit, Stimmung und Persönlichkeit das optimale Umfeld bietet. Der Wechsel zwischen Bereichen für Teamwork, informellen Austausch und konzentrierte Einzelarbeit muss fliessend und jederzeit unkompliziert möglich sein. Diversität ist das «Key-Word».

Wird es keine festen Raumstrukturen mehr geben?

Statische Einrichtungen werden abgelöst von dynamischen Lösungen, die von den Mitarbeitenden selbst angepasst werden. Immer wieder neu. Ausserdem braucht es mehr Rückzugsräume und Kollaborationsflächen. Rückzugsräume bieten einen ruhigen Gegenpol für Mitarbeitende, die im Homeoffice keine optimale Arbeitsumgebung haben. Ausserdem sind sie fester Bestandteil für Video-Calls oder spontane längere Telefonate. Seit Corona gibt es einen «Video-Call-Boom». Und der wird bleiben. Was Meetingräume betrifft, ist ein vielfältiges Angebot gefragt. Konventionelle Konferenzräume werden nach wie vor benötigt. Zugleich wächst der Bedarf an offenen Bereichen für den aktiven Austausch, z.B. in Form von Projekträumen. Diese Austauschzonen müssen flexibel und modular ausgestattet werden, damit man sie ganz einfach auf die jeweilige Situation neu ausrichten kann. Der Anspruch an individuelle und austauschbare Lösungen steigt. 

Design, Farben, Materialien: Was sind die aktuellen Trends?

Trendforscher definieren jeweils die Farbe des Jahres. Dabei berücksichtigen sie, was in sozioökonomischer Hinsicht auf der Welt geschieht und was die aktuellen Bedürfnisse und Hoffnungen der breiten Bevölkerung sind. 2021 sind es nicht eine, sondern gleich zwei Farben. Ein Grauton, der für Stärke und Belastbarkeit steht. Und ein sonniges Gelb, das Hoffnung und Positivität ausstrahlt. In Kombination passt dies sehr gut zu unserer aktuellen Situation und Gemütslage, oder?

Definitiv! Setzen Sie diese Farben nun vermehrt auch bei Ihren Projekten ein?

Selbstverständlich ist auch unser Designausdruck dem Trend unterworfen. Aber im Gegensatz zur Mode ist ein Bürokonzept «langlebig». Daher setzen wir gerne farbige Akzente, jedoch hauptsächlich mit austauschbaren Elementen wie Textilien oder Wandfarben. Denn viel besser als ein trendiges Büro ist ein Büro, das mit seinen Raumstrukturen, seiner Optik, seiner Funktionalität und seinem Flair die Unternehmenskultur zum Ausdruck bringt.

Weshalb ist das so wichtig?

Weil Büroarchitektur ein bedeutendes Marketingelement und Identifikationsmittel ist. Ihre Wirkung strahlt nach aussen, aber auch nach innen. Darum bauen wir Räume, die die Haltung des Kunden erlebbar machen und aktivieren. Wir schaffen «Corporate Architecture» als nachhaltiges Gesamterlebnis, welches die Dynamik des Unternehmens ausdrückt. Und das wiederum wirkt sich positiv auf das wertvollste Gut des Unternehmens aus: die Mitarbeitenden. Heute spricht jeder von «The New Normal». Ich bin überzeugt: Die neue Normalität spielt sich nicht isoliert in den eigenen vier Wänden ab. Sondern zusammen, im Büro als gemeinsamem «We-Place».

Machen wir auch Ihr Büro zum We-Place!

Sandra von Petersdorff
Ernst, von Petersdorff + Partner AG
044 368 55 55
sandra.vonpetersdorff_at_buero-architektur.ch
buero-architektur.ch

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